Wenn sie die Bühne betritt, ist das Kostüm, das sie trägt, respektive nicht trägt, das erste, was sämtliche Aufmerksamkeit auf sich zieht. Doch der eigentliche Grund, warum man nach einem zweistündigen Liveauftritt Daniela Mercurys, schweissdurchnässt, einen halben Meter über dem Boden nach Hause schwebt, liegt nicht in erster Linie an den optischen Vorzügen Danielas und ihrer Mittänzerinnen, sondern vielmehr an dem, was einem darüber hinaus geboten wird. Das es sich hierbei nicht um die höchste Glanzleistung komponistischer Fähigkeiten handelt, sollte, in Anbetracht dessen, dass es sich um Samba-Reggae dreht, eigentlich jedem klar sein.

Was die Konzerte Danielas zu etwas so Besonderem macht, ist, dass man sich hundertprozentig sicher sein wird, nie zuvor einen Künstler gesehen zu haben, der so viel Lust am Spielen, am Tanzen, am Herumtoben - am ganzen Auftreten hat. Wer Daniela Mercury ihre echte Freude während ihrer Auftritte abspricht und zu blosser Show-Professionalität bagatellisiert, kann nur als hoffnungsloser Zyniker aufgegeben werden.

In Deutschland erst seit einigen Jahren bekannt; und dort auch nur einem einschlägig veranlagten Publikum, ist die in Salvador geborene Sängerin in Brasilien schon geraume Zeit Garant für gefüllte Stadien und entsprechende Umsätze der Tonträgerindustrie. Die Feuertaufe für brasilianische Tänzerinnen und Tänzer, sieben Stunden Dauertanzen auf einem von einer Live-Band besetzten Truck - "Electrico" genannt -, hat sie schon mit 19 Jahren auf dem bahianischen Karneval hinter sich gebracht, und dass die zweifache Mutter bereits 36 Lenze zählt, würde ohne entsprechende Informationen aus dem Internet wohl kaum einer ahnen. Das man sich jedoch auch über ihre Körpergrösse hinwegtäuscht, wird einem schlagartig bewusst, wenn man die (für Europäer recht seltene) Gelegenheit hat, ihr einmal jenseits der Bühne zu begegnen und erschreckenderweise feststellen muss, dass das "kleine Mädchen" von 1,62 m, welches dort auf einen zuspaziert, die gleiche Daniela Mercury ist, an deren Augen und Hüften man zuvor wie gebannt hing, als sie den Versuch unternahm einer ekstatischen, schweissdampfenden Menge mit mehr oder weniger Erfolg den sambatypischen Hüftschwung beizubringen.

Dass das Gros ihres Publikums in Deutschland sich der aus brasilianischen Gemeinde der jeweiligen Stadt und Sambafanatikern zusammensetzt, liegt wohl weitesgehend daran, dass ihre Plattenfirma, BMG, sich hartnäckig weigert grossangelegte Werbekampagnen zu starten, die den Plattenverkauf in Europa ankurbeln würden. Es ist schon als unerhoffter Fortschritt zu bewerten, dass Danielas vorletzte CD, "Sol Da Liberdade", überhaupt offiziell in Europa vertrieben wird; war doch ihr davor bei Sony erschienenes Meisterwerk: "Feij¥o Com Arroz", nur als Import zu erhalten. Beide Scheiben runden Danielas bisherige CD Veröffentlichungen aufs Vorteilhafteste ab, indem sie ihre Fähigkeiten als Sängerin in einer Weise hervorheben, die ihre bisherigen CDs vermissen lies. Wobei "Feij¥o Com Arroz " auch musikalisch einiges zu bieten hat, was nicht lediglich als Grundlage zum Tanzen geeignet ist, sondern auch die ein oder andere faszinierende Besonderheit für denjenigen bereithält, der allein das Hören der Musik als deren ganzen Genuß ansieht.

Ihr neuestes Album "Sou de Qualquer Lugar" erscheint am 19.11.01 in Europa. Und wieder hat eine Weiterentwicklung stattgefunden. Von einer markanten Änderung im Stil und einem stärkeren Popeinfluß ist die Rede. Was davon stimmt und inwieweit es sich hierbei um eine Weiterentwicklung zum Besseren handelt oder nicht, kann jeder ab Ende November für sich selbst entscheiden.

Was die Konzerte anbelangt, so tun die europäischen Fans gut daran sich bezüglich der verweigerten Vermarktung Danielas in Europa mucksmäuschenstill zu verhalten. Würde Daniela Mercury erst in grossen Hallen oder gar Stadien spielen, so wäre der altbekannte Charme, der Konzerte in kleinen Clubs wie der Hamburger Fabrik oder dem Mainzer KUZ auszeichnet, für immer dahin.

Erst wer Daniela auf solch einer kleinen Bühne wie eine Wahnsinnige von einem Ende der Tanzfläche zum anderen tosen sah; wer miterleben konnte, wie sie, während sie singt, spielerisch Tanzeinlagen einstreut, die unsereiner in seinem ganzen Leben nie zustande bringen wird; wie sie dem Publikum Tanzschritte beibringt und nicht eher zufrieden ist, als bis auch der Letzte seinen Platz am Bühnenrand aufgibt um von einigen Schritten zurück auf ihr Kommando wieder nach vorne zu preschen; nur wer Daniela in die Augen gesehen, sie lachen, Faxen machen, herumhüpfen und bei jedem finalen Trommelschlag hochspringen sah und nur wer schon selber dabei war, wenn sie mitten in der Performance stehen bleibt, die Faust in die Hüfte stemmt, das Publikum entrüstet ansieht um dann mit schelmischem Grinsen zur Bühnenmitte zurückzukehren um erneut loszubrausen, der weiss, wie es sich anfühlt seinen Nachhauseweg einen halben Meter über dem Erdboden anzutreten…             knolzus

LINKS:

ofizielle Seite:   www.danielamercury.art.br

Albumreviews:  www.warr.org/daniela.html

Fanseiten: 
www.cadnews.hpg.com.br
www.dmpc.hpg.com.br/thanks.html    
www.rockol.it/artista.asp?idartista=5160
www.mercuryfanclubny.com/USA/