BRASILEIROS heißen die Brasilianer in der Landessprache Portugiesisch. Wegen der Mischung aus
europäischen, afrikanischen und indianischen Vorfahren gibt es alle Schattierungen von Hautfarben. Nach den offiziellen Zahlen sind über die Hälfte weiß, was ich aber bezweifle. In Bahia - und vor allem in Salvador - ist die
Mehrheit dunkel. Oft bekommt man den Eindruck, daß die meisten Brasilianer zwischen 20 und 30 Jahre alt sind - es gibt im Vergleich zu Deutschland viel mehr junge Menschen. Brasilianer legen großen Wert auf ihr Äußeres. Sie sind
berühmt für ihre Fröhlichkeit, die “Allegria”, tanzen und singen gerne. Sie sind freundlich, spontan, witzig, geduldig und hilfsbereit. Auf Deutsche wirken sie manchmal oberflächlich. Sie haben mehr Temperament, regen sich schneller auf, aber beruhigen sich auch schneller. Beide Geschlechter sind eifersüchtiger als die
Deutschen. Viele Brasilianer schwärmen von blonden deutschen Frauen. Brasilianerinnen schätzen an deutschen Männern ihre Zuverlässigkeit (und ihr Einkommen). Für die Brasileiros ist das beste an Deutschland: Das funktionierende
Rechtssystem, die höhere Sicherheit in den Städten und die im allgemeinen besser funktionierende Organisation unserer Gesellschaft. Wenn sie in Alemanha sind, vermissen sie ausser ihren Familien und Freunden vor allem die Sonne und
das Meer. In Berlin leben offiziell um die 2000 Brasilianer. BAIANOS Die Einwohner Bahias gelten in Brasilien als langsam. Tatsächlich sprechen sie auch auf dem Land langsamer als anderswo, was den Touristen entgegenkommt, die versuchen die Sprache zu
lernen. Man lebt auch gemächlicher und relaxter als im Süden. Es gibt aber auch salvadorianische Frauen die beim sprechen Maschinengewehre einholen. BEGRÜßUNG
Die normale Begrüßung der Brasilianer ist der Handschlag, doch gute Freunde umarmen sich auch. Frauen küssen sich oft auf beide Wangen bzw. deuten diese Geste an. Dieser
“Kiss Kiss” ist auch zwischen näheren Bekannten unterschiedlichen Geschlechts üblich. Man sagt dazu "Como Vai"? (Wie geht´s ?) und "Tudo Bem". Freunde grüßen sich aber auch einfach nur mit "Oi"
(Hallo). Verabschiedet man sich von einer (kleinen) Gruppe von Leuten, ist es üblich jedem Anwesenden die Hand zu schütteln, Ciao (Tschau = Auf Wiedersehen) und "Até logo" (bis bald) sind die gängigen Abschiedsformeln.
Normalerweise spricht man Fremde mit Frau/Herr + Vornamen an. Also: Senhora Claudia oder Senhor Stefan. SCHLECHTES BENEHMEN wäre z.B. wenn man nach dem Alter oder dem Einkommen fragt. Oder wenn man erotischer Signale, von jungen Frauen, als eine direkte Aufforderung zur "Anmache"
interpretiert. Man(n) denkt oft Brasilianerinnen sind mehr sexy als Deutsche, nur weil sie wegen des Klimas leicht bekleidet sind und gerne flirten. Ein bischen lockerer sind sie schon.-Psssiuu! Dieser geflüsterte Schuss ist ein
in Bahia beliebter Laut um den Kellner zu rufen. Wird aber auch zu anderen Gelegenheiten gern gebraucht. Besonders von der Sorte Baianos, die auch gerne auf die Straße spucken. Brasilianer sind sehr ehrliche Menschen und stets
bemüht andere nicht zu verletzen. Es ist nicht auszuschließen, daß darunter aber die Ehrlichkeit leidet. Weit verbreitet ist ein Hang eine Welle zu machen = tira onda, was in etwa grosszügige Auslegung der Wahrheit zu Gunsten
des Erzählers bedeutet. Bestechung (gorjeta) gibt es, aber richtig schmieren will gelernt sein. Kann auch peinlich werden.
PÜNKTLICHKEIT Die Brasilianer sind normalerweise weniger pünktlich als Deutsche. Lädt man Gäste ein, gilt Erscheinen zur ausgemachten Zeit anscheinend als unhöflich. Es gibt
aber durchaus Gelegenheiten, bei denen sie superpünktlich (ao punto) sind. TAGESABLAUF 8 Stunden arbeiten ist normal, wobei die Brasilianer - wenn es der Job zuläßt - nicht so hektisch arbeiten wie die Deutschen. Dafür haben viele gerade mal einen freien Tag pro Woche, weil
sie mehrere Jobs machen müssen. Brasilianer essen oft erst spät zu Abend und sind bis tief in die Nacht zusammen. Die verschiedene Abschnitte des Tages werden mit einer Dusche eingeleitet. 3-4 mal duschen pro Tag ist
normal. RELIGION Die meisten Brasilianer sind
katholisch, es gibt aber auch diverse christliche Sekten und spiritistische Religionen, die ursprünglich aus Afrika stammen, wie Umbanda, Macumba, Candomblé. Letztere wurde vom 16. bis zum 19. Jahrhundert von den
Yoruba-Sklaven aus Nigeria und Benin in Brasilien eingeführt. Viele Brasilianer aus allen gesellschaftlichen Schichten nehmen sowohl an christlichen Gottesdiensten als auch an Candomblé-Ritualen teil. Wichtigster Festtag der
Candomblé-Anhänger ist der Tag der Göttin Iemanjá, der in Bahia am 2. Februar begangen wird. FAHRSTIL Brasilianer haben einen Fahrstil, an den sich
Deutsche gewöhnen müssen. Ist z.B. irgendwo Stau, wird eine 2 spurige Straße manchmal 8-spurig. Die sonst meist rücksichtsvollen Brasilieros wandeln sich beim Autofahren teilweise in wüste Machos, obwohl in Salvador
nicht so hektisch gefahren wird wie in Rio. Fußgänger haben nichts zu melden, vor allem, wenn ein Bus kommt. Immer schön in Deckung bleiben! Auf dem Land gibt es wenig Verkehr. SEX Nur weil die jungen Brasilianerinnen viel nackte Haut zeigen, die Bikinis minimal sind und die Karnevalstänzerinnen oben ohne
tanzen, sollte man(n) nicht annehmen, daß sie mit jedem in's Bett springen. In Sachen Sex sind die Europäer liberaler, was wohl auch daran liegt, daß Brasilien ein katholisches Land ist. Wenn ein Mann eine Frau kennenlernt, ist oft
ihre erste Frage, ob er verheiratet ist, und wieviele Kinder er hat. Brasilianerinnen sind charmant und flirten gerne. Brasilianer tanzen sexy und - je nach Tanz - auch eng umschlungen, aber zum "fazer amor" kommt es
deswegen nicht unbedingt schneller als in Deutschland. Seitensprünge gibt es genauso wie hier. Weil die Brasilianer noch mehr als wir mit Kindern und Verwandten zusammenleben, gehen sie dazu gerne in Stundenhotels bzw. Motels. Es
ist schwer etwas allgemeingültiges zu sagen, denn wie bei uns ist das Leben auf dem Land und in der Stadt recht unterschiedlich.
Käuflicher Sex hat in den brasilianischen Hafenstädten eine lange Tradition. Neu ist der Sextourismus. Freelancer (frilanzis) sind auch ein interessantes Phänomen. Es
geht diesen aufgeschlossenen Damen allerdings nicht um Sex. Sie geben sich zwar schon gerne nach kurzer Bekanntschaft dem entflammten Gringo hin. Was sie im Gegenzug von ihm gerne hätten, kommt dann im Lauf der Zeit heraus.
Die Miete ist noch nicht bezahlt, die Rate für irgendetwas ist fällig, die Mutter ist krank, sie möchten verreisen oder sie haben einfach nichts mehr zum anziehen, was noch was taugt. Über die Männer weiß ich nicht viel zu
berichten. Ausser beim Tanzen und in bestimmten Songtexten ist Sex kein vordergründiges Thema. Die Natur möchte, daß wir unsere Gene mit exotischen Partnern mischen und deswegen stehen dunkle Brasileiros/as auf blonde
Frauen/Männer, ähnlich wie die Europäer/innen die Morenos/as (braune Frauen/Männer) besonders interessant finden. Homosexuellen Sex habe ich wegen mangelnder Einsicht weg gelassen. Was ich weiß ist, daß Rio
eine Hochburg der Schwulen ist, daß es dort viele Transvestiten und gute Gay-Clubs gibt. Auf dem Land wird Homosexualität verachtet. Aber auch in den Städten gibt es Intoleranz. Es gibt auf jeden Fall viel mehr Gewalt gegen Schule
als bei uns. VERFASSUNG
Mit der Verfassung vom 5. 10. 1988 sollte nach Überwindung der Militärdiktatur die Demokratie
gestärkt und gesichert werden. Auch die Bewahrung der Umwelt hat in Brasilien Verfassungsrang. Es gilt das Prinzip der Gewaltenteilung zwischen gesetzgebender, exekutiver und rechtsprechender Gewalt. MENSCHENRECHTE
wie wir sie kennen gibt es in Brasilien erst seit 1990, als die Zeit der Militärherrschaft endgültig überwunden wurde. Laut Amnesty International kommt es aber immer noch vor, daß die Polizei foltert. Ein Sozialstaat wie die
meisten europäischen Staaten ist Brasilien noch nie gewesen. Es sieht so aus, als ob es noch lange dauern wird, falls überhaupt... PRÄSIDENT
Der 39. brasilianische Präsident heißt Luiz Inácio Lula da Silva oder kurz Lula, der Kandidat der
Arbeiter Partei, der aus einfachsten Verhältnissen kommt und ein echter Nordestino ist, also einer aus Nordostbrasilien, wozu auch Bahia gehört. Von ihm erhoffen sich die Wähler Bemühungen um mehr soziale Gerechtigkeit. JORGE AMADO aus Bahia, Romancier aus Leidenschaft und Lust, schrieb
Geschichten, die in Bahia spielen und die sich bestimmt zum großen Teil so ähnlich zugetragen haben. Er schildert das Leben der einfachen Leute in Salvador und des Sozialgewebes zwischen den Großgrundbesitzern, ihren schwarzen "Untertanen" und den Verfechtern der Unabhängigkeit zur
Zeit des großen Kakaobooms und später. Mit bahianischem Schalk beschreibt er, wie oft die prüde Moral der portugiesischen Aristokraten ein schnelles Opfer afro-indianischer Verführungskünste wurde - und nicht selten
die Herrschaftsverhältnisse durch amouröse Avancen der Bediensteten durcheinander gerieten. Jorge Amado, der zur Zeit der Militärherrschaft im Exil lebte, starb im August 2001 in Salvador. FAVELAS So nennt man die Stadtteile mit den illegal errichteten Hütten aus Wellblech,
Holzresten und dergleichen, manchmal aber auch die Vororte mit den einfachen Häuser. Wie schlimm es ist, dort zu leben ist umstritten. Einerseits wird oft die Gesetzlosigkeit in den Favelas beklagt. In manche Bereiche geht
die Polizei nur, wenn es unumgänglich ist. Als Folge davon gibt es sowohl Selbstjustiz, als auch Bandenkriege zwischen Drogenhändlern (trafficantes). Andererseits behaupten Leute, die da wohnen, es wäre dort sicherer, als in
den schwer bewachten Vierteln der Reichen. Die Banden verfolgen Diebe und Vergewaltiger gründlicher als die Polizei. Einige Drogenbarone haben sich durch den Bau und die Unterstützung von sozialen Einrichtungen in ihren
Vierteln beliebt gemacht. Es gibt auch organisierte Favela-Bewohner, die zu einer politischen Kraft geworden sind. Die meisten und größten Favelas gibt es in Sao Paulo und Rio. Mehr zu diesem Thema INVASION heißt eine Möglichkeit ohne Bezahlung ein Grundstück zu erwerben. Wer ein
Stück Land besetzt, eine Hütte baut und da lebt und dabei 2 Jahre lang vom Eigentümer nicht angezeigt wird, darf für immer bleiben. Invasionen gibt es nicht nur auf dem Land sondern auch mitten in den Städten. STRASSENKINDER
ist ein weiter Begriff. Es sollen 10 Millionen sein. Die tatsächlich am Strand und in Hauseingängen schlafen, weil sie keine Angehörigen haben oder verstoßen wurden, sind aber nicht so viele. In Rio sieht man oft welche, in
Salvador selten.1 Million Kinder sollen unterernährt sein. Wegen der Armut zerbrechen viele Familien. Eigentlich sind die Brasilianer sehr kinderlieb, sie haben auch mehr.
Mehr zu diesem
Thema und über Armut in Brasilien. Hier noch ein Link zu einer sehr ausführlichen Studie zum Thema Strassenkinder.Pivetes
(pievetschies) werden die Jungs genannt, die in Salvador am Strand und auf der Promenade Touristen anschnorren, bzw. anschliessend mit ihrer Brieftasche wegrennen. ANALPHABETEN sind im Nordosten Brasiliens noch 1/3 der Bevölkerung. Wundert Euch
deshalb nicht, wenn jemand mit seinem Fingerabdruck “unterschreibt”! Als Analphabet ist man nicht nur bei der Arbeitssuche behindert, sondern kennt auch seine Rechte kaum. INDIOS Es gibt immer noch “unentdeckte”Indianer. Der Verdrängungskampf gegen die Indianer geht immer weiter. Immerhin machen sich einige Brasilianer und auch die Regierung Gedanken, wie man die Si tuation für die Indianer verbessern kann. Bis zum 16. Jahrhundert war das Gebiet des heutigen Brasilien von mehreren hundert einheimischen Indianervölkern bewohnt, die trotz ihrer ethnischen Verwandtschaft verschiedene
Idiome sprachen und unterschiedliche Kulturen pflegten. Heute beläuft sich die Zahl der Indianer auf etwa 250.000. Zum Vergleich: die Gesamtbvevölkerung beträgt 157 Millionen. Sie lassen sich in
etwa 200 Gruppen unterteilen und sprechen etwa 180 verschiedene Sprachen. Den Indianern wurde von der brasilianischen Regierung Gebiete überlassen, die sich auf 850.000 Quadratkilometer summieren, was 10% der
Fläche Brasiliens ausmacht. Auf diesem Territorium, das insgesamt beinahe die zweieinhalbfache Größe der Bundesrepublik Deutschland umfaßt, können die Indianer ihre Lebensart bewahren (Behauptet und hofft die Regierung).
Leider werden aber immer noch Indianer umgebracht, wenn es um Landbesitz geht. Wenn man hört, wie Großgrundbesitzer ihre Pistoleiros auf Indianer, aber auch Campesinos hetzen, fällt einem nur noch der wilde
Westen ein. Mehr zu diesem Thema:
http://www.gfbv.de/voelker/suedam/brasil/pataxo.htm Aktuell:
Im Süden von Bahia haben Indianer vom Volk der Pataxós hã-hã-hãe 2001 circa 80 Fazendas besetzt, die nach ihrer Ansicht auf Indianerland errichtet wurden. Anfang 2002
zog sich die Bundespolizei zurück. Kurz danach wurde ein Indianer von Pistoleiros erschossen und mehrere verwundet. Die Fazenda Besitzer schlagen zurück, anstatt das
Urteil des Bundesgerichts über die Angelegenheit abzuwarten, das im Laufe des Jahres gefällt werden soll. KRIMINALITÄT (sh. auch Mix-Seite ):
Leider ist Brasilien nicht nur berühmt für paradiesische Strände, sondern auch berüchtigt für Kriminalität, obwohl man als Tourist in Bahia nur selten Probleme bekommt. Raubüberfälle gibt es in Brasil wohl 10x soviel als in
Deutschland. Je weiter man auf´s Land kommt, desto weniger Kriminalität gibt es (wie in Deutschland). In Morro do Sao Paulo auf der Insel Tinharé soll der einzige Polizist und seine mit dem Fahrrad am Strand patroullierenden
Hilfsheriffs so gut wie arbeitslos sein. In den Städten muß man aber mehr aufpassen als in Deutschland. In Salvador, der Hauptstadt Bahias mit 2,2 Millionen Einwohnern, gibt es
15000 Militärpolizisten. Ein Teil von ihnen passt sehr effektiv auf die Touristen auf. Daß es ohne die Policia Militar in Salvador sehr ungemütlich wäre,
zeigte sich als diese im Juli 2001 für 2 Wochen streikte. In dieser Zeit wurden 80 Geschäfte geplündert und es gab viele Überfälle und Schießereien. In der Statistik der Gewalttaten liegt Salvador nach Sao Paolo
und Rio de Janeiro an dritter Stelle. Das ein Bus überfallen wird, kommt immer wieder mal vor. Oft sind die Täter noch halbe Kinder und die unter dem Hemd gehaltenen Pistolen nur aus Plastik. Die bajanischen Zeitungen
berichten aber auch von Morden aus Rache, Überfällen auf Autos mit scharfen Waffen, Banküberfällen, Entführungen, Bandenkriegen zwischen Drogenhändlern und Selbstjustiz durch maskierte “Justicieros”. Letztgenannte
sind oft Polizisten, die nach Feierabend stadtbekannte Kriminelle hinrichten. Die Mehrheit der Bevölkerung findet das völlig ok. In Salvador ging letztes Jahr 1/3 der Morde auf das Konto der selbsternannten Rächer.
Von der Ermordung von Straßenkindern hört man in letzter Zeit nichts mehr. Wegen der hohen Arbeitslosigkeit und mangelnder Perspektiven zerbrechen viele Familien, und deshalb leben einige 10000 Kids auf der Straße. Siehe auch..
Daß die Oberschicht oft kriminell ist, daß es viel Korruption und Mißachtung der Gesetze von Seite der Mächtigen gibt, kann man in den brasilianischen Zeitungen lesen. Die Regierung arbeitet an dem Problem mit
Antikorruptionskampagnen und Gesetzen.. Rassistische Überfälle gibt es in Deutschland mehr. Es heißt aber, daß die Polizei gegenüber dunkelhäutigen Mitbürgern gröber ist als sonst. Es gibt
auch noch Berichte über Folterungen. Noch bis in die 80er Jahre herrschte in Brasilien eine Militärregierung. Allgemein kann man sagen, daß es zwar Gesetze und Rechtsprechung gibt
wie bei uns, aber ob sie eingehalten und durchgesetzt werden, hängt davon ab wo du bist, wer du bist und wo die Polizei ist. Mit den nichtkriminellen Brasilieros - und die sind die Mehrheit - kommt man sehr gut aus. gesammelt und geschrieben: Harris |